Ein Bericht von Botschafter Dominik Gehl

Die Fondation de l’Hermitage ist ein ganz besonderer Ort für alle Kunstliebhaber, doch seit November 2025 herrscht dort ungewohnte Stille. Unser Botschafter Dominik Gehl hat diesen einzigartigen Moment des Wandels dokumentiert. Er hat die leeren Räume fotografisch festgehalten und mit den Verantwortlichen vor Ort darüber gesprochen, wie man ein Baudenkmal energetisch saniert, ohne seine Seele zu verlieren. Wir freuen uns, seine spannenden Einblicke und exklusiven Bilder hier mit unserer Community teilen zu dürfen.
Text und Fotografie: Dominik Gehl
Hermitage «on the road» – Das Programm 2026
Auch wenn die Türen in Lausanne vorübergehend geschlossen sind, bleibt die Kunst der Stiftung in Bewegung. Hier sind die wichtigsten Termine, um die Fondation de l’Hermitage im Jahr 2026 an anderen Orten zu erleben:
- Für Kreative: Am 8. April finden im Ausstellungsraum des CHUV Gravur-Workshops mit der Künstlerin Marie-Aurore Conscience statt (im Rahmen von Pâkomuzé)
- Für Frauen & Kunstbegeisterte: Am 21. April und 21. Mai lädt die Maison de la femme in Lausanne zur Veranstaltung „Frauen der Sammlung Hermitage“ ein. Nach einer Präsentation von Direktorin Sylvie Wuhrmann folgt ein Workshop mit der Illustratorin Fanny Vaucher.
Immer informiert: Alle Details zu weiteren Outreach-Projekten und dem Fortschritt der Bauarbeiten finde Sie regelmässig auf der Webseite der Fondation de l’Hermitage.
Ein lebendiges Museum im Wandel

Die Villa L’Hermitage wurde zwischen 1851 und 1853 für den Bankier Charles-Juste Bugnion erbaut. Nachdem die Besitzerfamilie das Anwesen der Stadt Lausanne geschenkt hatte, wurde es 1984 als Kunstmuseum eröffnet. Seit über vierzig Jahren präsentiert die Fondation de l’Hermitage dort jährlich international renommierte Wechselausstellungen. Um diesen Kulturauftrag langfristig zu sichern, leitet die Institution nun eine umfassende Restaurierung ein.







Obwohl die Türen des Lausanner Museums seit dem 10. November 2025 für die Öffentlichkeit geschlossen sind, ruhen die Aktivitäten der Stiftung keineswegs. Für 2026 hat das Haus ein Programm zur Kulturvermittlung außerhalb der eigenen Mauern angekündigt, das es den Werken ermöglicht, während der Arbeiten ein neues Publikum zu finden.
L’Hermitage auf Reisen ab Frühjahr 2026
Das Jahr 2026 wird von mehreren lokalen Kooperationen geprägt sein. Am 8. April werden im Rahmen von Pâkomuzé im Ausstellungsraum des CHUV (Universitätsspital) Gravur-Workshops mit der Künstlerin Marie-Aurore Conscience organisiert. Am 21. April und 21. Mai sind die Mitglieder von Pro Senectute zur Veranstaltung „Frauen der Sammlung L’Hermitage“ im Maison de la femme in Lausanne eingeladen. Dieses Treffen bietet einen Vortrag von Sylvie Wuhrmann, gefolgt von einem Kreativ-Workshop mit der Autorin und Illustratorin Fanny Vaucher.
Dieses Programm ist der Vorbote für einen neuen Raum für Kulturvermittlung im Museum, der bei der Wiedereröffnung im Jahr 2027 eingeweiht wird. Um die Ziele dieser umfassenden Renovierung zu besprechen, haben wir Sylvie Wuhrmann und Aurélie Couvreur, Direktorin bzw. Konservatorin der Fondation de l’Hermitage, inmitten der Umzugsvorbereitungen getroffen – nur wenige Tage nach dem Abbau der letzten Ausstellung „Ein Traum von Poland“.

Ein Gebäude im Ruhezustand für 18 Monate
„Es gibt noch viel zu tun!“, sagt Sylvie Wuhrmann lachend. Das ist verständlich: Zum ersten Mal seit 1984 muss das Haus komplett geleert werden. Hinter geschlossenen Fensterläden muss das Gebäude „an globale Standards angepasst werden: energetisch, in der präventiven Konservierung und in der Sicherheit“. Die Komplexität liegt in der Natur des Gebäudes selbst. „Das Hauptanliegen der mit der Renovierung beauftragten Architekten ist es, dieses Erbe zu respektieren“, präzisiert die Direktorin. Es geht darum, ein ursprünglich für das Familienleben konzipiertes Haus an die Anforderungen eines Museums anzupassen und dabei seine Seele zu bewahren.


Das 18-monatige Projekt verfolgt drei Hauptziele:
Energieeffizienz: Instandsetzung von Dach, Fassade und Abdichtung nach aktuellen Normen.
Technische Diskretion: Schluss mit lauten, mobilen Klimageräten und Luftbefeuchtern, die von Hand befüllt und geleert werden mussten. Das künftige System wird zentralisiert, leistungsfähiger und vor allem unsichtbar sein, um den Räumen ihren ursprünglichen Charakter zurückzugeben.
Besuchererlebnis: Neugestaltung des Rundgangs, Verbesserung der Besucherströme und Modernisierung des Lifts.
Eine gemeinsame Dynamik
L’Hermitage ist nicht das einzige Schweizer Museum, das solche Arbeiten unternimmt. Institutionen wie das Museum Langmatt in Baden oder die Villa Flora in Winterthur haben ähnliche Wege eingeschlagen.
„Wir tauschen uns aus“, bestätigt Aurélie Couvreur. „In Winterthur haben uns die Kollegen ihre Entscheidungen und Herausforderungen erklärt. Wir haben mehrere technische Besichtigungen durchgeführt, um zu verstehen, wie sie die Dinge angegangen sind und welche Technologien sie gewählt haben. Es ist interessant zu sehen, wie der Ort nach der Renovierung lebt.“






Neugestaltung der Depots
Für Aurélie Couvreur sind die Arbeiten eine seltene logistische Chance: „Es ist die Gelegenheit, unsere Depots neu zu überdenken. Wir spielen eine Art riesiges Tetris, um die Lagerdichte zu erhöhen und in ein funktionaleres Haus zurückzukehren.“ Rund 800 Werke werden für die Dauer der Arbeiten in provisorische Depots ausgelagert.

Ausblick auf den Herbst 2027
Die Wiedereröffnung ist für den Herbst 2027 mit einem modifizierten Rundgang geplant. Bestimmte Räume im Erdgeschoss und im ersten Stock, die bisher privat waren, werden für die Öffentlichkeit zugänglich sein.
Was die Ausstellung betrifft, die dieses neue Kapitel einleiten wird, hält sich das Team noch bedeckt. „Wir sind dabei, die Dinge für die Wiedereröffnung zu finalisieren. Aber es ist noch nicht ganz fertig… es wird eine Überraschung sein“, schließt Aurélie Couvreur.


Dominik Gehl
Dominik Gehl ist seit 2018 als Botschafter für den Schweizer Museumspass unterwegs, um die vielfältige Museumslandschaft der Schweiz aus seiner ganz persönlichen Perspektive einzufangen. Sein Auge für Architektur und klare Linien hilft ihm dabei, die stille Ästhetik leerer Räume und die Dynamik von Transformationen – wie aktuell in der Fondation de l’Hermitage – dokumentarisch festzuhalten. Wenn er nicht gerade Museen erkundet, teilt er seine Leidenschaft für Fotografie und Reisen mit einer wachsenden Community auf Social Media.